skyliners.frblog.de

Fr 07.08.09 16:59

Gastkommentar zum geänderten Pokalmodus : Irrgarten

Der Pokalmodus wird radikal reformiert. Nutznießer sind die Skyliners. Als Gastgeber sind sie für das Top Four am 10. / 11. April 2010 qualifiziert. Details dazu in den PM (DBB und Skyliners), sowie am Samstag in der FR. Während ich mich darum kümmerte, hat Basketball-Experte Sebastian Gehrmann einen Kommentar zur Situation verfasst.

„Auf der Suche nach einem Ausweg verirrt sich eine Sportart immer tiefer in einem Gestrüpp aus ebenso verzweifelten wie zweifelhaften Entscheidungen. Nun also reformiert die Basketball-Bundesliga ihren Pokal-Wettbewerb und die Arbeitsgemeinschaft der zweitklassigen Liga sowie der Verband nicken den Plan ab. Wobei Pokal und Wettbewerb zukünftig zumnindest auf Erstligaebene nicht mehr viel mit jenem zerstückelten Kunstprodukt gemein haben dürften, das zukünftig das angekratzte Image der BBL aufpolieren soll.

Nur ein Einwurf am Anfang und dann, versprochen, Schluss mit den Sentimentalitäten. Der Pokal, egal in welcher Sportart, lebt seit jeher – und das Runde für Runde – von dem Prinzip Alles oder Nichts. Er zieht seine Faszination, seine Dramaturgie aus dem Kampf David gegen Goliath, aus Überraschungen, aus Sensationen und wenn es nur die theoretische Möglichkeit auf eine solche ist. Er steht eben nicht nur den Eliten offen und er befriedigt dadurch in besonderem Maße elementare Sehsüchte des Sports.

Was von dem Pokal-Wettbewerb in einer nach medialer und damit öffentlicher Aufmerksamkeit lechzenden Sportart übrig bleibt, ist eine Karikatur der Sportart Basketball in Deutschland selbst. Nach dem Projekt Hamburg, das schon vor seiner ersten Inszenierung zum Scheitern verurteilt war, soll nun ein bis auf ein Minimum reduzierter Pokal wachsende Attraktivität vergaukeln. Das Top Four in der Hansestadt war ein Vermarktungs- und Publicity-Desaster. Nichts ist für eine Liga, die mehr ein Spektakel sein will, fataler als eine halbleere Halle.

Insofern ist die Wahl Frankfurt sogar nachvollziehbar, wenn sie gleichzeitig auch das ganze Dilemma zeigt, aus dem sich zu befreien der BBL partout nicht gelingen will. Das ist ein Schritt zurück. Eine Sicherheitsvariante. Die Ballsporthalle (Fassungsvermögen: 5002 Zuschauer) war Anfangs des Jahrtausends noch der perfekte Austragungsort, groß, aber nicht zu groß für ein Pokal-Turnier. Dass die Liga nun, da in Deutschland weitaus größere, modernere und attraktivere Hallen stehen, in die Mainmetropole zurückkehrt, zeigt, wie groß die Angst vor einer weiter schwindenden Zuschauergunst ist.

Die Entscheidung ist aber umso schwerer nachzuvollziehen, da sich der Gastgeber in dem neuen Format automatisch für das Top Four qualifiziert. Ein Halbfinale mit Frankfurter Beteiligung würde vermutlich eine ausverkaufte Halle garantieren. Warum aber sollte ausgerechnet ein Klub, der sich offensichtlich in einer Umbruchphase befindet, der vor einer Übergangssaison steht und dessen wichtigster Sponsor womöglich sein Engagement beenden wird, warum sollte diese Mannschaft, deren sportliche Qualität in der nächsten Saison wahrscheinlich deutlich sinkt, automatisch zu den vier besten Pokalmannschaften gehören?

Die Underdogs, jene Mannschaften, die sich sportlich nicht für die BBL qualifiziert haben, sind von vornherein ausgeschlossen und spielen ihren eigenen Pokal unter dem Dach des verbands aus. Vielleicht ist das gut für die kleinen Vereine. Schade ist es um den Sport. Aber dass selbst jene BBL Mannschaften, die sich schon in der Hinrunde absehbar nicht für die Playoffs qualifizieren werden, aber trotzdem das Potential haben, in einem einzigen Spiel auch einem Favoriten ein Bein zu stellen, nicht dabei sind, ist eine fatale Entwicklung. Das kann nicht imme Sinne des Basketballs im Allgemeinen und der Zuschauer im Besonderen sein.

Dass es in der jüngeren Vergangenheit selten faustdicke Überraschungen gab, ist kein Argument. Denn darum geht es nicht. Das ist kein Mittel zum Zweck. Zumal es sie hier und da sehr wohl gab und niemand ernsthaft erwarten wird, dass sich Zweitligisten regelmäßig für das Top Four qualifizieren. Dass der unübersichtliche Rahmenterminkalender, der übrigens ein langjähriges und hausgemachtes Problem ist, nun entlastet wird, zeigt, wie nun wieder an einzelnen Symptomen herumgedoktert wird, statt Ursachen endlich grundsätzlich zu beheben.

Überhaupt. Warum sollte man den Optimismus der Verantwortlichen teilen. Zu viele wegweisende Entscheidungen führten zuletzt in die Irre. Der Glaube, die uneingeschränkte Öffnung der Liga auch für US-Spieler würde keine regelrechte Welle aus Nordamerika auslösen… Eine halbherzige Quotenregelung für deutsche Spieler… Hamburg als fester Pokal-Standort… Die Vermutung, die Aufstockung der Liga auf 18 Vereine würde den Wettbewerb und damit die Attraktivität erhöhen… Gerade diese hat, zusammen mit einem Lizenzierungsverfahren, das Jahr für Jahr seine Schwächen zeigt, in so manche Katastrophe für einzelne BBL-Vereine und damit auch für die ganze Liga gesorgt. Das neue Pokal-Format wird diesen Schaden nicht beheben.“

Gastautor: Sebastian Gehrmann, Kopie von fr-online

8 Responses

  1. 1 # Wettertom August 7 2009 @ 18:38

    Liest man die vielen Kommentaren der Forenuser und von Sebastian Gehrmann war der alte Pokalmodus der Hit. Ich selbst z.B war bei einem Geisterspiel in Würzburg vor ich denke 3 Jahren. Keine Atmosphäre und Zuschauer. Und das soll der Flair des Pokal sein?!

    Natürlich ist der neue Modus sportlich fragwürdig, aber bestimmt nicht schlechter als der alte Weg.

    Ein Modus mit „Töpfen“ wie bei Fußball WM´s und EM´s wäre meiner Meinung ein guter Kompromiss. Ich bin kein Fan von TOP4´s ohne die Spitzenmannschaften.

  2. 2 # Manuel August 7 2009 @ 19:11

    @wettertom: Wenn du so ein Fan von Top4s mit Spitzenmannschaften bist, muss du ja tierisch sauer darüber sein, dass die Durchschnittstruppe der Sparliners als Gastgeber schon fürs Halbfinale gesetzt sind… ;)

  3. 3 # Wettertom August 7 2009 @ 22:22

    Warten wir mal ab wo sie nach der Vorrunde stehen. Ich weiß nicht, was daran falsch ist das auszugeben,was man hat. Ich denke, da wird auch noch mehr kommen ;.)

  4. 4 # Manuel August 8 2009 @ 0:23

    @wettertom: Das was man hat auszugeben, ist ok. Ganz augenscheinlich dürfte das aber im Normalfall nicht mehr reichen, um dieses neue Elite-Top4 zu spielen.
    Sprich ohne diese lächerliche Wildcard fürs Halbfinale dank Austragungsort wäre man ziemlich sicher nicht dabei.

    Mit diesem closed shop Top4, für das Jahr für Jahr eine Halbfinal-Wildcard vergeben wird, kann ich nichts anfangen.
    Man kann also seit dieser Saison im Pokal ausscheiden ohne daran teilgenommen zu haben…
    Klasse, BBL!

  5. 5 # Wettertom August 9 2009 @ 23:10

    @Manuel; Wie sieht denn Dein Vorschlag aus. Der alte Modus?

    Da konnte man mit Glück durch Siege gegeb PROA Teams und einen BBL Absteiger ins TOP 4 kommen.

    Sportlich wertvoller?

  6. 6 # Manuel August 10 2009 @ 8:16

    Der alte Wettbewerb war gerade SPORTLICH sicher wertvoller!
    Und unter sportlich verstehe ich theoretisch gleiche Chancen für alle Teams am Pokal teilzunehmen. Gerade das ist doch der Inbegriff eines Pokalwettbewerbs – egal in welcher Sportart.
    Natürlich kann/konnte man durch Glück irgendwie ins Top4 durchrutschen. Aber gerade das macht doch den Reiz bei KO Spielen aus. Go hard or go home!
    Ich fand es gut, dass im Pokal auch immer mal wieder Teams vertreten waren, die nicht zur Elite gehörten und die sozusagen dort ihr Saisonhighlight hatten.

    Der neue Pokal hingegen wird ein Treffen elitärer BBL Klubs, der jeglichen Kontakt zur Basis verloren hat.
    Willkommen in der closed-shop-Popcorn-BBL-Welt, für die sich zwar nach wie vor niemand interessiert (Stichwort TV…), die sich aber scheinbar zu gut dafür ist, noch irgendetwas mit der Basis der Zweit- und Regionalligavereine zu tun zu haben.

  7. 7 # Gruebler August 10 2009 @ 9:15

    Der alte Modus mag in der Theorie wunderschön gewesen sein und die Mär vom Pokalwunder eines kleinen Teams dient hier wie anderenorts als Aufhänger der Kritik.

    Die „Sehsüchte des Sports“ spiegelten sich aber nicht in den Zuschauerzahlen der „do or die games“ des Pokals wieder. Mehr als ein Drittel weniger Zuschauer in den Hallen als in der Hauptrunde. Teils unter 1000 Zuschauer bei den Begegnungen zwischen BBL-Teams, und auch bei ProA-Teams waren die Hallen leerer als bei Ligaspielen. Daher widersprach ich Sebastian Gehrmann am Wochenende: http://tinyurl.com/nq93ez

  8. 8 # Manuel August 10 2009 @ 10:14

    Ich stimme in dem Punkt zu, dass der Pokal in der alten Form absolut reformbedürftig war!
    Aber hier wurde in meinen Augen klar in die falsche Richtung reformiert.

    Dass viele Begegnungen zwischen ProA und BBL Teams eher schlecht besucht waren, hängt auch damit zusammen, dass es keine Chancengleichheit bezüglich der Ausländerregelung gibt.
    Alleine durch die „zwei(bzw. in der ProB gar 3!)-Deutsch-müssen-immer-spielen-Regel“ ist man als Zweitligateam kaum konkurrenzfähig gegen die athletische Ami-BBL.
    Diese Problematik im Pokal zeigt doch nur die Zerissenheit und Uneinheitlichkeit in Punkto Quote und geht weit über die Problematik des Pokals hinaus.

    Trotzdem halte ich es für fragwürdig, ob man den Wettbewerb wirklich noch als Pokal bezeichnen sollte, wenn so vielen Mannschaften das Teilnahmerecht abgesprochen wird.

    Und selbst wenn man konsequent ist und aufgrund der unterschiedlichen Ausländerregeln die Zweitligamannschaften rauslässt, dann verstehe ich nicht, warum der Pokal nicht für alle BBL Teams offen ist.
    Absolut lächerlich finde ich zudem die Halbfinal-Wildcard für den Ausrichter.
    Sollte es zudem wirklich Punkte fürs Europaranking geben, wäre das wirklich ein Hohn!
    Der Pokal hat für mich mit der neuen Ausrichtung nicht mehr denselben Stellenwert und geht eher in Richtung des fragwürdigen Championscup.
    Denn der ist auch so eine Veranstaltung, bei der Mannschaften mit Titeln noch einen dazubekommen können.

Schreibe einen Kommentar

Die mit * gekennzeichneten Felder, sind Pflichtfelder.

Um Spam zu vermeiden, füllen Sie bitte das Captchafeld aus. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.