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Sa 28.09.19 13:06

„In der Verteidigung ist es einfacher, klare Regeln durchzuziehen“

Sebastian Gleim steht vor seiner Premiere. Am Sonntag wird er zum ersten Mal ein Pflichtspiel als Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft coachen. Es wird sich sicher etwas anders anfühlen, in einer vollen Hallen mit allen Scheinwerfern im Rampenlicht zu stehen, als im BCM. An den Arbeitsabläufen und der Vorbereitung auf ein Spiel wird sich hingegen wenig ändern. Nach der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz habe ich mich nochmal kurz mit ihm zusammengestellt und über ein paar Themen gesprochen – allen voran den Ausfall von Spielmacher Anthony Hickey.

Sebastian, wie wollt ihr den Ausfall von Anthony Hickey kompensieren?
Wir haben mit Daniel noch einen Guard, der noch einen Tick länger spielen wird, als er das in der Vorbereitung machen sollte, konnte, musste. Wir haben mit Lamont jemanden, den wir klar als Scorer verpflichtet haben, der aber in der Lage ist, es in einer bestimmten Art und Weise zu machen. Wir müssen jetzt noch ein Stückchen enger zusammenrutschen und zumindest für das Spiel kompensieren. Vielleicht kommt Anthony ja auch relativ schnell zurück.

Eure Offensivstrategie muss dann noch mehr lauten, den Ball zu bewegen, weil es am Ende sonst aussieht wie in der Partie gegen Ulm?
Auch wenn es von außen gegen Ulm nicht so wirkte, haben wir gar nicht so schlecht gespielt. Wir haben phasenweise nicht gut zusammengespielt, was vielleicht auch daran lag, dass wir ein, zwei Sachen umgestellt haben. Aber wir waren auf acht dran. Das größte Problem war, dass wir durch die schlechte Phase nicht mental durchgekommen sind. Das hätte nochmal kippen können. Das Spiel danach in Würzburg haben wir das geschafft. Da haben wir offensiv und defensiv alles gezeigt. Der Spirit war da. Auch da hat Lamont noch gefehlt. Der Ball musss sich in jedem Team bewegen. Wenn ein Team wie Bayern München isoliert und Eins-gegen-Eins spielen würde, dann würde es sich trotzdem durchsetzen. Wir müssen gegen Rotationen den Ball bewegen, weil wir sonst nicht genügend gute Würfe kriegen, nicht genug Eins-gegen-Eins-Situationen und nicht genug Inside-Situationen. Das müssen wir konstanter machen.

Wie gefällt dir das Zusammenspiel zwischen den Guards und Adam Waleskowski, gerade das Pick and Pop?
Da brauchen wir noch ein bisschen. Das ist noch nicht so, wie ich mir das vorstelle. Adam ist auch noch nicht so lange da. Auch das war ein Thema im ersten Training nach dem Hamburg-Spiel. Jetzt geht es  darum, daraus mehr zu ziehen, wenn wir nach innen gehen. Offensiv ist es ein bisschen schwieriger als defensiv, weil du noch mehr Entscheidungen vor der Nase hast und weil du nicht genau weißt, was der Gegner macht im heutigen Basketball. Das verändert sich von Jahr zu Jahr, wie reagieren die Teams, wie aggressiv sind sie. In der Verteidigung ist es einfacher, klare Regeln durchzuziehen.

Gerade die jungen Spieler, wie Richard Freudenberg oder Matthew McQuaid sollen ja auch offensiv Entscheidungen treffen. Wie weit sind sie dabei?
Gerade Matt hat gegen Würzburg super gespielt, weil wir uns und den Ball gut bewegt haben. Da stand er ein paar Mal richtig. Dann trifft er mal zwei Dreier, mal vier. Wenn er frei ist, ist es eine gute Entscheidung. Matt ist aber kein Spieler, der den Ball nimmt und für andere den nächsten Schuss kreiert. Der Ball muss sich für ihn bewegen.

Da habt ihr ja nur zweieinhalb Spieler würde ich sagen: Hickey, Jones und ein bisschen Shaquille Hines. Würdest du mir da zustimmen?
Ball auf dem Boden, ja. Wir sind da ständig im Prozess, weil nach innen kreieren ja auch Vorteile bringt. Ein Spieler wie Johannes Voigtmann, wenn er in der Zone steht und alle auf ihn zukommen, kann er die Pässe wie ein Point Guard raushauen. Shaquille ist jemand, der schneidet zum Korb wie kein anderer. Dadurch ergeben sich auch neue Räume. Das sind Dinge, die leider, leider, auch wenn sich das jeder Fan und Coach anders erhofft, länger dauern.

Wie zufrieden bist du mit den Passfähigkeiten deiner Big Man. Gerade Leon Kratzer?
Das muss noch einen Tick besser werden. Gerade wenn er ganz einfache Situationen hat. Uns war es in der Vorbereitung wichtig, dass er versucht, sich unter dem Korb durchzusetzen. Jetzt muss noch die Facette kommen, wenn früh geholfen wird, dass er den Ball bewegt. Das ist für gerade für ihn in seiner Entwicklung als moderner Großer wichtig. Wenn Leon auf dem Feld steht, soll der Ball nach innen und er produzieren.

Gibt es eigentlich einen Co-Kapitän neben Tez?
Nein, aktuell haben wir nur Tez. Als Tez in den USA war, standen Akeem und Anthony als Kapitäne im Spielberichtsbogen. Tez ist der Kapitän und dann haben viele andere ihre Rollen. Auch Adam ist jemand, der unterstützen soll. Er will ja auch selbst Trainer werden.

Gordie war ein Verfechter von einer Neun-Mann-Rotation und hat da fast schon stur dran festgehalten. Bei deiner intensiveren Spielweise mit Transition-Basketball bist du da einer, der eher mit zehn oder elf Spielern agieren wird?
Grundsätzlich ja. Wir müssen schauen, wie intensiv wir spielen können wenn wir Ausfälle haben. Es kann auch sein, dass wir am Sonntag nur selektiv über das ganze Feld pressen und uns aufs Halbfeld konzentrieren – also zumindest defensiv. Denn dann kann der Akku zu schnell leer sein wenn man andere Dinge kompensieren muss. Anthony ist ein Spieler, der 32 bis 35 Minuten der auf der Eins und Zwei spielt – mal mit Daniel zusammen, um mehr kreative Momente zu bekommen. Jetzt müssen wir entscheiden, wie intensiv wir das gestalten damit wir nicht viele Dinge irgendwo liegenlassen.

Und damit Tez nicht wieder 35 Minuten spielen muss?
Mit bisschen weniger Tempo kann er auch das.

One Response

  1. 1 # Doppeldribbel September 29 2019 @ 8:05

    @Timur: Danke für das recht interessante Interview! Geht ja inhaltlich-sportlich wenigstens ein bisschen über das hinaus, was Gordie so immer preisgegeben hat:-)

    Der Kader ist ganz schön auf Kante genäht – ob nun mit oder ohne Hickey. Nach meinem aller-, aller-, allerersten Eindruck könnte es stimmen, was @Rivenianer im Faden vorher geschrieben hat, dass das „Mittelfeld“ der Liga stärker geworden ist. Habe in die ganzen bisherigen BBL-Spiele mal – mehr oder weniger lang – reingeschaut. Vor allem der MBC hat ein „anderes“ Team, Crailsheim macht 108 Pts (gegen allerdings indisponierte Mittelhessen). Auch Braunschweig fand ich interessant, vor allem haben sie mit Jallow, Mushidi (und auch Lagerpusch und Garai) ein paar junge Deutsche, die Spaß machen. Das war mal ein kleiner USP der Skyliners…!

    Naja, ist alles noch viel zu früh. Sicher muss man wie immer rund 10 Spieltage abwarten, um erste fundierte Schlüsse ziehen zu können. Mal sehen, was wir heute gezeigt bekommen. Die Defense wird der Schlüssel sein, viel mehr als 70 Pts werden wir angesichts unserer Scoring-Power nicht zulassen dürfen…

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